Was im 3. Quartal 2026 zu Internetausfällen geführt hat
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Solange alles reibungslos funktioniert, nehmen wir das Internet kaum wahr. Doch sobald die Verbindung abbricht, wird schlagartig deutlich, von wie vielen Systemen es abhängt. Über das globale Netzwerk von Cloudflare laufen mehr als 20 % des weltweiten Web-Traffics. Das ermöglicht einen besonderen Einblick in die Entwicklung des Internetverkehrs. Wenn Infrastrukturprobleme, Stromausfälle, politische Eingriffe oder Sicherheitsvorfälle den Internetzugang beeinträchtigen, kann Cloudflare Radar die Auswirkungen anhand des Datenverkehrs zu unseren Kunden beobachten. In unserem Quartalsrückblick analysieren wir die Internetstörungen, die Radar erkannt und dokumentiert hat. Wir erläutern, was passiert ist, welche Regionen betroffen waren und welche übergeordneten Umstände dabei eine Rolle spielten.
Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Kategorien der im dritten Quartal 2026 beobachteten Internetstörungen. Dazu zählen staatlich angeordnete Abschaltungen sowie Störungen durch Stromausfälle und Naturkatastrophen.
Die Störungen auf einen Blick
Von Juli bis September entstanden Internetstörungen vor allem durch Ausfälle der zugrunde liegenden Versorgungssysteme und Infrastruktur. In Kuba, Honduras, Guam, der Ukraine und mehreren anderen Ländern kam es zu Ausfällen im Stromnetz. Naturkatastrophen richteten von Nepal bis Kolumbien Schäden an der Strom- und Telekommunikationsinfrastruktur an. Am häufigsten wurde der Internetzugang jedoch auf staatliche Anordnung unterbrochen, insbesondere wegen Prüfungen im Irak. Der wieder aufgeflammte Konflikt in der äthiopischen Region Tigray verdeutlichte zudem, wie schnell die Internetversorgung in eine größere politische und humanitäre Krise hineingezogen werden kann. Auch in den USA, Japan und Portugal kam es zu Ausfällen, obwohl sich ihre Internetversorgung bisher als vergleichsweise resilient erwiesen hatte. Das zeigt, dass Internetstörungen jedes Land treffen können.
Insgesamt erfasste Cloudflare Radar in diesem Quartal 49 Internetstörungen. Davon entfielen 19 auf staatlich angeordnete Internetabschaltungen, darunter 18 im Zusammenhang mit Prüfungen im Irak. Es folgten Stromausfälle mit 14 Vorfällen. Fünf weitere Störungen wurden durch Naturkatastrophen verursacht.
Stromausfälle zählten zu den Hauptursachen für Internetstörungen
Das Internet ist so aufgebaut, dass es dezentral funktioniert und Ausfälle verkraften kann. Dafür braucht es jedoch Strom. Ohne Strom können auch Router, Mobilfunkbasisstationen, Rechenzentren, Netzknoten zur Verbindung verschiedener Anbieter und die dazwischenliegenden Netzwerke ausfallen. In den Störungsdaten von Radar zeigte sich diese Abhängigkeit während der vergangenen drei Monate besonders deutlich. Nach der Zahl der Vorfälle standen Stromausfälle in diesem Quartal an zweiter Stelle der Störungsursachen. Nur staatlich angeordnete Internetabschaltungen während Prüfungen kamen häufiger vor.
In Kuba folgten die Internetstörungen den unvorhersehbaren Ausfällen des instabilen Stromnetzes. Radar registrierte im Quartal vier dadurch verursachte Internetausfälle. Der Internetzugang war somit jeden Monat mindestens einmal durch einen Ausfall im Stromnetz beeinträchtigt. Betroffen waren der 6. Juli, der 14. Juli und der 3. August. Hinzu kam ein dreitägiger Stromausfall vom 18. bis zum 20. September. Das Datenvolumen sank dabei unterschiedlich stark: Der Rückgang lag zwischen 18 % am 14. Juli und 59 % am 3. August.
Das Beispiel Honduras macht deutlich, dass ein örtlich begrenzter Infrastrukturausfall ein ganzes Land treffen kann. Dort fiel am 10. September der Strom in einem zentralen Netzknoten aus, über den verschiedene Anbieter miteinander verbunden sind. Mindestens elf große Anbieter waren betroffen. Werden viele Datenverbindungen an einem solchen Punkt gebündelt, kann dessen Ausfall weitreichende Folgen haben. Während der etwa dreistündigen Störung sank der landesweite HTTP-Traffic um 63 %.
Zwei bemerkenswerte Ausnahmen waren der grenzüberschreitend tätige Anbieter Telecomunicaciones de Guatemala (AS14754) und der Mobilfunkanbieter Celtel (AS52262): Beide blieben von der Störung verschont. Das deutet darauf hin, dass ihre Internetversorgung in Honduras möglicherweise stärker auf Infrastruktur außerhalb des Landes zurückgreift.
Im ukrainischen Sewastopol fiel am 5. Juli der Strom aus. Der damit verbundene Internetausfall dauerte acht Stunden, und der HTTP-Traffic sank um 98 %. Am 12. August, gut einen Monat später, verursachten Drohnenangriffe auf die Energieinfrastruktur erneut einen Stromausfall. Dadurch war die Internetversorgung zehn Stunden lang gestört, während der Datenverkehr um bis zu 95 % zurückging. Geopolitische Konflikte zählen weiterhin zu den wichtigsten Ursachen für Internetstörungen, wie wir weiter unten genauer erläutern. Die beiden Vorfälle verdeutlichen zugleich den engen Zusammenhang zwischen Konflikten, Energieinfrastruktur und Internetzugang.
Auch ein Vorfall in Phoenix in den USA ist hervorzuheben: Am 13. August fiel dort das Kühlsystem eines Rechenzentrums aus. Daraufhin brach der Internetverkehr von Namecheap (AS22612) nahezu vollständig ein. Weil Kühlsysteme eine immer wichtigere Rolle spielen, verdienen solche Ausfälle künftig besondere Aufmerksamkeit.
Strombedingte Internetstörungen beschränkten sich nicht auf die größeren Vorfälle in Kuba, Honduras und der Ukraine. Sie traten auch in Eswatini, Botsuana, Tadschikistan, Kenia, St. Lucia, Georgien, Gabun und weiteren Ländern auf. Teilweise waren unerwartete Ausfälle die Ursache. In anderen Fällen wurde der Strom bewusst abgeschaltet, etwa in Eswatini, wo geplante Abschaltungen das Stromnetz bei unzureichender Versorgung entlasten sollten. Die Störungen fielen unterschiedlich groß aus und dauerten unterschiedlich lange. Gemeinsam zeigen sie jedoch: Eine instabile Stromversorgung führt häufig auch zu einer instabilen Internetversorgung. Über das gesamte Quartal hinweg registrierte Radar 14 strombedingte Internetstörungen in zehn Ländern.
Wenn die physische Welt die virtuelle Welt lahmlegt
Bereits im letzten Quartal berichtete Radar darüber, wie der Supertaifun Sinlaku über die Marianen zog. Auf Guam unterbrach er die Stromversorgung und damit auch die Internetverbindungen. Erst nach vier Tagen erreichte der HTTP-Traffic wieder sein gewohntes Niveau.
Keine drei Monate später traf mit Bavi der nächste Supertaifun auf Guam. Damit verursachten schwere Stürme dort innerhalb eines Jahres bereits zum zweiten Mal erhebliche Internetstörungen. Vor Bavi leiteten die Behörden offenbar frühzeitiger Vorsorgemaßnahmen ein. So wurde der Notstand schon ausgerufen, bevor der Sturm seine größte Stärke erreichte. Trotzdem fiel der Strom in weiten Teilen Guams aus. Wie die Guam Power Authority mitteilte, beschädigten starke Winde zentrale Stromübertragungsleitungen. Zwischenzeitlich war nur noch rund ein Viertel der Abgänge im Stromverteilnetz in Betrieb. Die Folgen für das Internet waren bereits bekannt: Weiträumige Stromausfälle und heruntergerissene Leitungen sorgten dafür, dass sich der Datenverkehr erst nach mehreren Tagen erholte.
Ein Erdbeben ähnlicher Stärke mit einer Magnitude von 7,1 führte in Japan dazu, dass rund 150.000 Menschen in Kumamoto zur Evakuierung aufgefordert wurden. Beim Internetverkehr waren die Folgen hauptsächlich bei Zugriffen über Desktopgeräte zu erkennen. Zugriffe über Mobilgeräte waren hingegen kaum betroffen.
Kolumbien wurde im August von einem Erdbeben der Stärke 7,4 getroffen. Gebäude stürzten ein, Menschen wurden verletzt und zahlreiche Einwohner mussten evakuiert werden. Die Internetversorgung war viereinhalb Tage lang gestört. Beschädigte Glasfaserleitungen führten zusammen mit den weiteren Auswirkungen des Bebens zu einem erheblichen Rückgang des Datenverkehrs von Colombia Telecomunicaciones (AS3816).
Am 26. August kam es zudem in Nepal zu plötzlichen Sturzfluten in den Flussgebieten des Bhote Koshi und des Trishuli. Sie trafen Gemeinden in den Distrikten Rasuwa, Nuwakot und Dhading. Die Fluten richteten Schäden an Häusern und Infrastruktur an und beeinträchtigten wichtige Versorgungsdienste, darunter die Stromversorgung. In der Folge kam es auch zu Störungen der Internetversorgung in der Region. Radar registrierte eine zweistündige Störung, während der der HTTP-Traffic um bis zu 18 % zurückging.
Internetabschaltungen während Prüfungen im Irak halten an
Staatlich angeordnete Internetabschaltungen waren im dritten Quartal die häufigste Ursache für Internetstörungen. Die meisten ereigneten sich im Irak, wo es über das gesamte Quartal hinweg zu einzelnen, planmäßigen Abschaltungen kam. Diese folgten einem festen Zeitplan zwischen 03:30 und 04:00 Uhr UTC und dauerten jeweils etwa 15 bis 90 Minuten. Die meisten fanden zwischen dem 26. August und dem 28. September statt, drei weitere zwischen dem 1. und dem 8. Juli.
Internet Society Pulse berichtete: „In einer Videobotschaft bestätigte der irakische Kommunikationsminister Mustafa Sanad die Abschaltung und kündigte an, ein digitales System zu entwickeln. Dieses soll die zentrale Verteilung von Prüfungsunterlagen überflüssig machen – und damit auch die Abschaltung des Internetzugangs an Prüfungstagen.“ Cloudflare Radar wird die Netzwerke des Landes weiter beobachten, während die Entwicklung des neuen Systems voranschreitet.
In Syrien und im Sudan wurden in diesem Quartal dagegen keine ähnlichen Störungen erfasst. Das ist insofern bemerkenswert, als beide Länder in den letzten Jahren ebenfalls häufig auf Internetabschaltungen während Prüfungen zurückgegriffen hatten. Vermutlich lässt sich dies jedoch eher durch unterschiedliche Prüfungstermine erklären als durch einen klaren politischen Kurswechsel. Radar wird deshalb weiter verfolgen, ob künftige landesweite Prüfungsphasen in einem der beiden Länder wieder mit Internetabschaltungen einhergehen.
Internetstörungen im zeitlichen Zusammenhang mit politischen Ereignissen
Als der Konflikt in der äthiopischen Region Tigray erneut ausbrach, ordnete die Regierung eine zehntägige Internetabschaltung an. Der Datenverkehr brach vollständig ein: Der Rückgang um 100 % deutet auf eine komplette Abschaltung hin.
Der Vorfall erinnerte an die umfassende Blockade während des Bürgerkriegs in Äthiopien zwischen 2020 und 2022. In dieser Zeit war Tigray nach Angaben von France24 weitgehend von Telekommunikation, Stromversorgung, Bankdienstleistungen, Treibstofflieferungen und humanitärer Hilfe abgeschnitten. Die Weltgesundheitsorganisation sprach von einer „De-facto-Blockade“. Die jüngste Abschaltung scheint zwar auf Tigray begrenzt geblieben zu sein, machte sich aber auch auf nationaler Ebene bemerkbar: Der HTTP-Traffic sank landesweit um bis zu 30 %.
Während der landesweiten Wahlen am 19. September kam es auch im Fernen Osten Russlands zu regionalen Internetstörungen. Ursache waren beschädigte Glasfaserkabel. Die Störungen betrafen Tschukotka, die Oblast Magadan, die Region Kamtschatka und die Oblast Sachalin. Laut Rostelecom waren Glasfaserleitungen des Kernnetzes gezielt beschädigt worden. Das Unternehmen erklärte, die Internetverbindungen mithilfe von Ersatzverbindungen wiederhergestellt zu haben. Die Radar-Daten allein geben keinen Aufschluss darüber, ob ein Zusammenhang zwischen den Kabelschäden und den Wahlen bestand. Auffällig ist jedoch das zeitliche Zusammentreffen.
Ein Quartal geprägt von Internetabschaltungen, Stromausfällen und Resilienz
Staatlich angeordnete Abschaltungen waren im dritten Quartal 2026 die häufigste Ursache für Internetstörungen. Das lag vor allem an den wiederholten Abschaltungen während Prüfungen im Irak. Stromausfälle folgten mit nur geringem Abstand. Sie betrafen Netzwerke in Kuba, Honduras, der Ukraine, Eswatini, Botsuana, Tadschikistan, Kenia, St. Lucia, Georgien und Gabun. Hinzu kamen Störungen durch Naturkatastrophen und Konflikte. Diese Ereignisse erinnern daran, dass ein resilientes Internet mehr braucht als funktionierende Router und Kabel. Es ist ebenso auf Strom, intakte Infrastruktur, politische Entscheidungen und Netzwerke angewiesen, die den Datenverkehr bei Ausfällen umleiten können.
Radar verzeichnete außerdem Ausfälle in einzelnen Netzwerken, darunter bei One Communications (AS19863) in Guyana nach einem Kabelbruch, bei MEO (AS3243) in Portugal nach einem gemeldeten „massiven Angriff“ sowie bei Digicel Haiti (AS27653), TurkNet (AS12735) in der Türkei und Fanap Telecom (AS206065) in Iran.
Die Vorfälle machen sowohl die Verwundbarkeit als auch die Resilienz des Internets deutlich. Zahlreiche Störungen dauerten nur kurz. Bei 14 lag der Datenverkehr innerhalb von weniger als einer Stunde wieder auf dem gewohnten Niveau, bei 16 innerhalb von weniger als drei Stunden. Dennoch können selbst kurze Unterbrechungen erhebliche Auswirkungen auf die Menschen vor Ort haben – insbesondere bei Stürmen, Erdbeben, Konflikten oder politischen Unruhen. Der Internetzugang ermöglicht es Menschen häufig, Informationen zu erhalten, sich abzustimmen und Zugang zu Sicherheit und Hilfe zu finden.
Cloudflare Radar wird die Internetversorgung weltweit weiterhin auf Störungen überwachen und darüber berichten, was wir aus unserem globalen Netzwerk beobachten. Für aktuelle Meldungen folgen Sie Cloudflare Radar auf X @CloudflareRadar und Bluesky @radar.cloudflare.com.
